David Dragicevic


David Dragicevic (21) war ein vielseitiger junger Mensch aus Banjaluka. Er studierte an zwei veschiedenen Universitäten, der Elektrotechnischen Universität in Banjaluka, und „online“ an der IT Akademie in Zemun. Bereits im Oberstufenalter verdiente sich David sein eigenes Taschengeld
durch die Leistung diverser Reparaturarbeiten am Computer, sowie Geben von Nachhilfestunden in Mathematik und Informatik. Auf diesem Wege wollte er sich zugleich sein Studium finanzieren, Davids Vater arbeitete damals als Kellner, und hatte bei eher niedrigem Einkommen auch einen
Kradit abzubezahlen. David war auch Musiker, schrieb zahlreiche Texte und wirkte bei Videoaufnahmen mit, viel und gerne betrieb er Sport. Nach der Scheidung seiner Eltern zog Davids Mutter nach Österreich, wodurch sich auch für ihn eine gute Chance ergeben hatte, seine Heimat zugunsten einer fortschrittlicheren Umgebung zu verlassen. Doch David entschied sich dafür in Banjaluka zu bleiben, zusammen mit seinem Vater. Er hat noch zwei Brüder und eine Schwester.


17.mart 2018 – Davids Verschwinden


Davor Dragicevic, Davids Vater, sah seinen Sohn zum letzten Mal am 17.03.2018, um ungefähr 19 Uhr. Wie gewohnt verabschiedete sich David von ihm, und ging in die Stadt aus. Was als abendliches Ausgehen junger Menschen angefangen hatte, endete in einer verhängnisvollen Nacht
ohne Rückkehr! Am nächsten Morgen um 6 Uhr in der Früh fiel Davor bereits auf dass sein Sohn abwesend war, weil das für David sehr untypisch war. Er versuchte ihn zunächst telefonisch zu erreichen, doch sein
Handy war abgedreht. Dann kontaktierte er Davids Freunde, um möglichst viel Information einzuholen, und als das nicht ausreichte, ging Davor zur Polizei. Die zuständigen Polizeibeamten meinten damals abschließend, der David würde sich bestimmt immer noch irgendwo vergnügen. Wodurch bereits vom Beginn die fehlende Ernsthaftigkeit im Zugang der Polizei sichtbar war. Davids Eltern organsierten selbst die Suche nach ihrem Sohn, welche sechs Tage durchgehend angehalten hatte, unterstützt durch zahlreiche weitere Menschen aus Banjaluka. Sie suchten verschiedene Stadtteile ab, Davids Vater hat selbst mehrere hundert verlassener Objekte durchsucht, im Befürchten dass David möglicherweise irgendwo festgehalten wurde. Die Polizei konnte zu keinem Zeitpunkt der Suche eine konkrete Angabe zu Davids Bewegungsroute an die Eltern weitergegeben. In der Nacht seines Verschwindens, verweilte David zunächst im Cafe seines Onkels, dem er damals mitteilte: „Wenn mir etwas geschied, trägt Filip Culum die Schuld!“ Über Instagram schrieb er eine Nachrischt mit identischem Inhalt an seinen Freund, welcher sich zu dem Zeitpunkt in
Slowenien aufhielt. In der Nacht vom 17. auf den 18. März 2018 wurde David von der Überwachungskamera des Cafes „988“ zum letzten mal aufgenommen. Danach verschwindet jede Spur von ihm!
Noch während der Suche berichtete ein Zeuge davon, in den frühen Morgenstunden der betreffenden Nacht eine Schlägerei von seinem Balkon aus beobachtet zu haben, unweit von der Stelle an der David das letzte mal gesehen wurde. Derselbe Zeugenbericht spricht von mehr als zehn Personen, die eine einzelne Person zunächst brutal verprügelt, und anschließend in einem Fahrzeug abtransportiert hatten. Es wurde vermutet dass es dabei um Davids Entführung handelt, da Ort und Zeitpunkt des Zeugenberichtes mit den entsprechenden Daten der vorangegangenen Videoaufnahme übereinstimmen. Die einzige Kamera, welche das fragliche Gebiet direkt bedeckt, ist an der nahegelegenen Reiffeisenbank angebracht. Die dazugehörigen Aufnahmen wurden jedoch niemals aufgefunden. Die Polizei berichtete einmalig dieses.


24. März 2018 – Fund des leblosen Körpers


Nach sechs Tagen der Suche wurde Davids Körper an der Mündung der Crkvena in den Vrbas aufgefunden. „Crkvena“ ist ein Bach, der als Abwassekanal genutzt wird und im Bereich des Stadtzentrums größtenteils unterirdisch. Davids Vater identifizierte sofort den Körper seines Sohnes, und im selben Augeblick wurde ihm ebenfalls klar, dass Davids Mord auf monströse Weise geschah. Sein Körper war ausgedehnt belegt mit.

25. März 2018 – Die erste Obduktion des Körpes
Am Tag nach dem Auffinden Davids leblosen Körpers führte Dr. Zeljko Karan, Facaharzt für Pathologie vom Institut für Gerichtsmedizin, die Obduktion durch und folgerte daraus, dass der Körper sechs Tage lang im Wasser verbracht hatte, und als Todeszeitpunkt gab er den 18. März 2018 um 4 Uhr morgens an.


26. März 2018 – Die entwürdigende Pressekonferenz und Auftakt der Versammlungen
Die Nachricht dass Davids Körper leblos gefunden war, erschütterte und beunruhigte die Menschen in Banjaluka, zumal die meisten von ihnen zuvor selbst an der Suche teilgenommen hatten. Um die Familie durch die schwierige Zeit zu unterstützen, gründeten Davids Freunde die Facebook Gruppe „Gerechtigkeit für David“ am 25.März 2018, welcher sich bereits am ersten Tag des Bestehens mehrere tausend Menschen anschlossen. Es folgte die erste Einladung an alle Menschen sich am „Trg Krajine“ in Banjaluka am 26. März 2018 zu versammeln, um für ihren Mitbürger gemeinsam eine Kerze anzuzünden. Doch einige Stunden vor dieser Versammlung berief die Polizei von Banjaluka um 12 Uhr mittags eine dringliche Pressekonferenz ein. An die Öffentlichkeit haben sich gewendet:

Klicken Sie auf das Bild, um die ganze Pressekonferenz zu sehen
  • Darko Ilic, Leiter der Abteilung für Schwerverbrechen und organisierte Kriminalität im Innenministerium der Republika Srpska
  • Zeljko Karan, Facharzt für Pathologie, Direktor des Instituts für Gerichtsmedizin der Republika Srpska
  • Zeljko Spasojevic, Leiter der Polizeiverwaltung von Banjaluka

In weniger als 30 Minuten rekonstruierten sie Davids gesamte Bewegungsroute aus der verhängnisvollen Nacht, samt zahlreicher Details. Dabei erhoben sie auch den Verdacht, dass David in der fraglichen Nacht mehrfach substanzenintoxikiert war, ein Haus ausraubte, anschließend
entweder willentlich oder aus Versehen tödlich in den Bach Crkvena stürzte, welcher den Körper letztendlich 6 Tage lang in Richtung der Mündung in den Vrbas trug. Alle Anwesenden, die diese Pressekonferenz verfolgt hatten (Aufnahme im Internet verfügbar), konnten ein erlogenes Konstrukt erkennen, zusammengesetzt aus teils äußerst erschreckenden.
Darko Ilic präsentierte Davids angebliche Bewegungsroute aus der letzten Nacht. Grob zusammengefaßt, besuchte David in diesem Szenario zuerst mehrere Cafes und Clubs in Banjaluka, hatte dabei auch eine Schlägerei mit drei Personen, aß danach ein Burek aus einer bestimmten Bäckerei, raubte danach ein Haus in der Siedlung „Laus“ aus, und ertrank schließlich in der
Crkvena.
„Bisherige Ermittlungen zeigen klar, dass sich im Fall des Todes von David Dragicevic um einen Unfalltod handelt. Er ist wahrscheinlich in die Crkvena gefallen zu Zeiten reißenden Wasserstroms, welcher den Körper bis zur späteren Fundstelle transportierte“, sagte Ilic und ergänzte, dass kriminelles Fremdverschulden als Todesursache ausgeschossen werden konnte. In der Pressekonferenz sagte Ilic, dass Dragicevic vor seinem Ertrineken das Haus mit der Aderesse „Ulica Velibora Janjetovica Janje Nr. 11“ ausraubte. Beim Auffinden der Leiche fand man die gestohlenen Gegenstände in den Taschen der Kleidung. Der Einbruch wurde am selben Tag gemeldet wie Dragicevics Verschwinden, er geschah in der Nacht davor. Laut Ilic verbrachte Dragicevic 50 Minuten im fraglichen Haus und verließ es mit unauffälligem Gangbild und ohne zu laufen, in Richtung der Brücke an der Crkvena. Allerdings zeigte sich, dass aus der Einsicht in die Aufnahmen der Videoüberwachung gar nicht möglich ist David Dragicevic zu identifizieren. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass diese Aufnahmen einen mutmaßliche Einbrecher zeigen, der hektisch und humpelnd das Haus verläßt, und nicht unauffällig und ruhig, wie Ilic zuvor berichtet hatte. Und sie zeigen wie kurz Zeit nach Betreten des Hauses durch den mutmaßlichen Einbrecher, zwei weitere Personen das Haus betraten die erste um 4 Uhr und die zweite 16 Minuten später. Später wird sich auch heruasstellen, dass der Bericht des diensthabenden Mediziners verschwunden war, welcher vor Ort die Totenbeschau durchführte. Dieser Arzt sagte später aus, dass bei seiner Untersuchung die Taschen der Kleidung leer waren, Dr. Karan hingegen gab an, dass in den Taschen Gegenstände aus dem ausgeraubten Haus von Djordje Radjen gefunden wurden. Dabei fällt auf, dass in der Fotodokumentation vom Dr. Karan und in derjenigen von der Polizei, unterschiedliche Geldmengen gezeigt werden, welche David angeblich bei sich hatte. Am selben Tag veröffentlichte die regierungsnahe Nachrichtenagentur SRNA eine Nachricht mit dem Titel „Dragicevic schlägerte sich, raubte ein Haus aus und sprang in den Fluß“, womit der 21- jährige zu einem Kriminellen erklärt wurde. Auffallend fragwürdig war zu beobachten, dass die Polizei, die zwei Tage vor der Pressekonferenz noch gar keine informationen zu Davids Verbleib angeben konnte, etwas später die gesamte Route dermaßen detailgeträu rekonstruieren konnte. Die Absicht dahinter war offensichtlich – das Opfer zu entwürdigen und zu verhindern, dass sich die Menschen versammeln und ihren Unmut äußern.
Es wurde jedoch das Gegenteil erreicht – in den Menschen erwachte der Wille Davids Familie noch entschlossener zu unterstützen. Nach lautem Bekunden der Unzufriedenheit durch die Eltern, Freunde und BürgerInnen von Banjaluka, besuchten Präsident Milorad Dodik und Innenminister Dragan Lukac die Eltern. Bei dieser Gelegenheit unterstützte Milorad Dodik die Eltern in ihrer Forderung nach einer neuerlichen Obduktion, durch die sofortige Kontaktaufnahme zu Dr. Ivica Milosavljevic, einem Facharzt für Pathologie aus Belgrad.

Am selben Tag, an dem sich die Pressekonferenz ereignete, begannen die Menschen sich im Stadtzentrum am „Trg Krajine“ täglich um 18 Uhr zu versammeln. Sie waren berührt vom Schmerz der leidtragenden Eltern, und sie protestierten gegen das gesamte Szenario, das vom Innenministerium der Öffentlichkeit serviert wurde. Schon am ersten Tag versammelten sich einige tausend Menschen, Davids Vater Davor Dragicevic gab damals die ernüchternde Tatsache bekannt, dass die Polizei nichtmal Davids Zimmer untersucht hatte.


28. März 2018 – Die zweite Obduktion
Dr. Ivica Milosavljevic bestätigte defacto alle von Dr. Karan erhobenen Befunde, mit Ausnahme des Todeszeitpunkts, Dr. Milosavljevic legte diesen zwischen dem zweiten und dem vierten Tag vor der letzten Obduktion fest. Dadurch ist die Annahme, dass David am. 18. März zu Fall kam und
anschließend ertrank, nicht mehr möglich. Genauso wie Dr. Karan, befundete auch Dr. Milosavljevic erhöhte Spiegel von LSD und Marihuana. Unmittelbar darauf ließen Davids Eltern in einem Wiener Labor Haarproben analysieren, doch alle Tests waren negativ und zeigten dass David entsprechend langfristig keine Suchtmittel konsumiert hatte! Die späteren Tetsergebnisse aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, durchgeführt am Institut für medizinische Forensik in Zagreb, zeigten ebenfallsdass es in Davids Körper keine Drogen gab.

Zunehmende Unterstützung für die Familie


Die Nachricht vom Mord an einem jungen Menschen und seiner Vertuschung durch die Institutionen, ging um die ganze Welt. Täglich besuchten Banjaluka Menschen aus verschiedenster Ländern, sowie weltbekannte Medienhäuser. Der Versammlungsort „Trg Krajine“ erlang bei Vielen Bekanntheit als „Davidov Trg“, ebendort wurde ein Herz aufgestellt, in das die Menschen Blumen, Fotos, Kerzen und andere Mitbringsel hineinlegen konnten. Es wurde auch eine grosse Faust aus Holz aufgestellt, nachdem die erhobene Faust zum Symbol für diesen Kampf geworden war. Die Gruppe „Gerechtigkeit für David“ wurde ebenfalls bekannt durch Davids Lied „Klinac iz geta“ ( Deutsch: „Der Junge aus dem Getto“), durch sein Gebet „Davidova Molitva“, das täglich vorgetragen wurde, sowie durch ausgesprochen hohe Solidarität zwischen den Menschen, unabhängig von Religionsbekenntnis oder nationaler Zugehörigkeit.
Davor Dragicevic rückte zunehmend in den Mittelpunkt, die Menschen in Banjaluka sahen in ihm einen starken Charakter und authentische Gefühle. Täglich bei den Versammlungen sprach er davon, dass sein Sohn etführt wurde, gefoltert, vergewaltigt, getötet und abgelegt ans Ufer der Crkvena. Davor betonte stets, dass Davids Martyrium sechs Tage und sechs Nächte gedauert hatte, und dass er erst am 23.03. getötet wurde. Er beschuldigte mehrere Polizeibeamte der Mitwirkung am Mord, etwas später beschuldigte er sämtliche verantwortlichen Führungskräfte aus dem Innenministerium der Mitwirkung an der Verschleierung von Beweismitteln und Obstruktion der Ermittlungen.


07. April 2018 – Davids Beerdigung
David Dragicevic wurde begraben am „Neuen Friedhof“ in Banjaluka. Das Beerdigung besuchten viele Menschen, sowie auch der Präsident der Republika Srpska Milorad Dodik. Nimand konnte sich erklären warum der Landespräsident gerade das Begräbnis vom Sohn eines Kellners persönlich
besuchte. Davids Freunde hielten Tranparente hoch mit der Aufschrift, „Wer hat David getötet?“, und sie übergaben an Dodik eines davon. Als er den Inhalt sah, legte er das Transparent ab.


21. April 2018 – Die erste Großkundgebung
Nach fast einem Monat des täglichen Versammelns organisierte die Gruppe „Gerechtigkeit für David“ eine Großkundgebung, an welcher rund zehn tausend Menschen aus allen Teilen Bosnien und Herzegowinas partizipierten. Sie erkannten die Ehrlichkeit von Davids Eltern und den
Menschen aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle. Die Polizei stoppte nach Banjaluka anreisende Autobusse, um Menschen von der Kundgebung fernzuhalten. Die regierungsnahen Medien versuchten die Menschen zum Ablehnen der Kundgebung zu bewegen, indem Gruppenmitglieder beispielsweise als Terroristen oder Verräter bezeichnet wurden. Davids Vater Davor Dragicevic warnte damals schon davor, dass man die Mörder seines Sohnes bis zu den Wahlen im Oktober nicht entdecken wollen werde. Er bat alle Menschen, die irgendwelche Informationen über Davids Mord haben, sich bei ihm zu melden. Er wusste bereits, dass die Schuldigen dauerhaft beschützt werden würden durch Personen aus der Leitung der Institutionen von Republika Srpska.

Die Öffentliche Bloßstellung und der Druck auf Mitglieder der Gruppe „Gerechtigkeit für David“
Der Druck auf die Familie und ihre Nächsten wurde verstärkt im Mai 2018, als völlig unbegründet die Einheit für Terrorismusbekämpfung den Befehl ausführte, Davor Dragicevic und bestimmte Menschen aus seinem näheren Umkreis zu überwachen, um dabei kompromitierendes Material für
die Öffentlichkeit zu sammeln. Parallel zur Überwachung wurden in den sozialen Netzwerken zahlreiche Lügengeschichten über David, Davor und über andere Mitglieder der Gruppe verbreitet, um die öffentkichke Meinung gegen sie zu wenden. Dabei wurden sämtliche Publikationen von
Profilen getätigt, deren wahre Identität nicht überprüft. Um diese einzigartige Idee zu zestören, erlebten viele täglich protestierende Menschen Sanktionenam Arbeitsplatz, insbesondere in öffentlichen Institutionen, aber auch in dem regierungsnahen Privatsektor. Verlegung des Dienstortes weit weg sowie Gehaltsreduktion, immer unter der Angabe
von Scheinbegründungen, waren häufige Sanktionen. Am stärksten betroffen waren alleinerziehende Mütter und Kinder von gefallenen Soldaten. Täglicher beteiligte sich der öffentlich-rechtliche.



10. Mai 2018 – Die Rede von Davor Dragicevic vor dem Parlament


Davor Dragicevic wendete sich an die Abgeordneten des Republika Srpska am 10. Mai, er forderte das Aufdecken der vollen Wahrheit, sowie die gerechte Bestrafung der Täter und ihrer Komplizen. Er forderte, dass die Instiitutionen gesetzteskonform ihre Arbeit machen, anstatt sich nach den
Bedürfnissen von bevorzugten Personen zu richten. Die damalige Regierungspartei SNSD initiierte daraufhin die Formierung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, zur Befragung aller,
an den behördlichen Ermittlungen beteiligter Personen. Die Ernennung von Branislav Borenovic aus der Opposition zum Vorsitzenden des Ausschusses, nährte die falsche Hoffnung dass nun alles fürs Entdecken der Wahrheit bereitgestellt war. Allerdings gleich nach Abschluß der Befragungen,
und vor der Abstimmung der Abgeordneten über die Verabschiedung des Endberichtes, sagte Präsident Milorad Dodik aus, dass die Regierungspartei den Endbericht des Untersuchungsausschusses nicht anerkennen werde, und dass die Arbeit der Opposition ihre eigene Unfähigkeit bewiesen habe.


04. Juli 2018 – Die Einstufung der Ermittlung als Mord
Hundert Tage brauchte die Bezirksstaatsanwaltscheft Banjaluka um Davids Tod als Mord zu qualifizieren. In der Mitteilung des obersten Bezirksstaatsanwalts Zelimir Lepir wird angeführt: „Aufgrund der bisherige Lage der Beweisführung lässt sich mit Sicherheit folgendes sagen: David
Dragicevic wurde nicht Entführt, festgehalten und gefoltert. Dafür existieren weder Indizien, noch gibt es Beweise oder eine Grundlage für solchen Verdacht. Diese Schlussvolgerung basiert auf dem medizinischen Bericht, welcher keine Hinweise auf Entführung, Folter oder Vergewaltigung des Geschädigten enthält. Diese Faktenlage steht im Widerspruch zu den Behauptungen des Vaters und eines Teils der Öffentlichkeit, wonach David entführt, gefangengehalten, gefoltert und schließlich ermordet wurde. David Dragicevic wurde nicht von einer Gruppe Menschen mit Schlagwerkzeug verprügelt, so wie das die Geschädigten und ein Teli der Öffentlichkeit behaupten. Dieser Standpunkt wird von der Tatsache bestätigt, dass der Körper nur leichtgradige Verletzungen aufweist, ohne Knochenbrüche.“
In der Mitteilung der Staatsanwaltschaft wird ebenfalls angeführt, dass „sich aufgrund der bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen die Grundlage des Verdachts ergeben hat, dass es am 18.03.2018, um 4 Uhr, in Banjaluka, in der Strasse „Ulica Velibora Janjetovica Janje“, in der Nähe
des Ufers der Crkvena, zu einem verbalen und körperlichen Konflikt kam, zwischen der geschädigten Person und zwei bis drei tatverdächtigen Personen. David ergriff entweder die Flucht aus Angst um sein Wohlergehen und stürzte dabei tödlich 4,5 Meter hinab in den Fluß Crkvena, welcher aktuell reißenden Wasserstrom führte. Oder er wurde durch die tatverdächtigen Personen hinuntergestoßen. Kurz nach dem Sturz sei bei dem Geschädigten der Tod eingetreten durch Ertrinken im Wasser, die Leiche wurde am 24.03.2018 am Ufer der Crkvena, nahe der Mündung in den Fluß Vrbas gefunden.“


07. Juli 2018 – Die zweite Großkundgebung


Die zweite Großkundgebung besucheten ungefähr 20.000 Menschen. Es war der 104. Tag des Versammelns, an die Anwesenden wendeten sich Davids Eltern Davor Dragicevic und Suzana Radanovic, Vater des ermordeten Dzenan Meminc, Muriz Memic, und Spasenija Arandjelovic, die Mutter der ermordeten Danijela Arandjelovic aus Tuzla. Bei der Familie Dragicevis meldete sich täglich hilfesuchende Eltern, die eine ähnliche Tragödie
erlebt hatten. Oft besuchten sie die täglichen Kundgebungen und baten dabei um Unterstützung, damit die Mörder ihrer Kinder gefasst werden.

24. August 2018 – Anzeige gegen 13 Personen
Davor Dragicevic zeigte bei der staatlichen Polizeisondereinheit SIPA 13 Personen an, darunter auch leitende Beamte des Innenministeriums. Ihnen wurde Obstruktion der Ermittlungen, Vertuschung und ähnliches zur Last gelegt. Unter den Angeklagten befinden sich Dragan Lukac, Darko Ilic und Zeljko Karan. „Ilic, Lukac und Karan hatten die Öffentlichkeit bewußt getäuscht durch Tätigung von Falschaussagen! Dabei kriminalisierten sie das Opfer, mit der Absicht den Mord zu vertuschen“, stand in dieser Anzeige.

27. August 2018 – Die Gründung der internationalen Teams der Rechtsanwälte
Davids Eltern Suzana Radanovic und Davor Dragicevic formierten ein internationales Team aus Rechtsanwälten, das an der Lösung im Mordfall ihres Sohnes arbeiten sollte. Das Team bestand aus
Dusko Tomic und Ifet Feraget aus Bosnien und Herzegowina, Anto Nobilo aus Kroatien und Zora Dobricanin Nikodinovic aus Serbien.
Die Anwälte erkannten rasch zahlreiche Unregelmäßigkeiten in der Führung der Ermittlungen. Von der Staatsanwaltschaft und dem Innenministerium erhilten sie das Versprechen, alle nötigen Dokumente zu ihrer Verfügung zu haben.


07. September 2018 – Anklage wegen dem Verschwinden von Davids Unterwäsche
Im Laufe der offiziellen Ermittlungen verschwand ein Schlüsselbeweis – die Unterwäsche des ermordetet David. Nachdem diese Information die Öffentlichkeit erreichte, war ein verantwortungsloses Verhalten durch die Staatsanwaltschaft und das Innenministerium zu beobachten. Staatsanwalt Lepir sprach in der Sendund „Jedan na Jedan“ des Senders ATV, von einem, für die Ermittlungen unwichtigen Beweis. Und auf die Frage eines Journalisten, wie denn so ein Verlust der Beweise geschehen könne, antwortete Innenminister Lukac mit der Gegenfrage – „Habe Sie jemals etwas verloren?!“ „Es besteht eine gewisse Verbindung zwischen den Polizisten, die die Unterwäsche verloren haben, und der Lösung von Davids Mordfall. Nach Eintreten des Todes endet die willkürliche Kontrolle der physiologischen Bedürfnisse, es folgt die Entspannung der Muskulatur und eventuell auch die Entleerung von Harnblasen- und Darminhalt. Die Analyse der Unterwäche, samt Untersuchung der fraglichen Ausscheidungen, sollte ein Schlüsselbeweis dafür sein, wie lange Zeit der leblose Körper im Wasser verbracht hatte, und ich glaube das war nicht lang“, erklärte Feraget. Anfang September erhob die Staatsanwaltschaft von Banjaluka Anklage gegen zwei kriminalistische Techniker, Zoran Bosnjak und Mikica Marjanac, wegen Behinderung der Afklärung im Mordfall an David Dragicevic. In der Anklage wurde ihnen zur Last gelegt am 25. März, nach der ersten Obduktion, Davids Unterhose weggeworfen zu haben. Die Techniker bekannten sich als unschuldig für die Tat, und beschuldigten den Inspektor Sinisa Kojdic.


19. September 2018 – Der Protest vor der Polizeidirektion und das Schlafen am „Trg Krajine“


Während einer täglichen Kundgebung am „Trg Krajine“, wurde Davor Dragicevic von einem unbekannten Mann mit Mord bedroht. Bald wurde er verhaftet, und Dragicevic ging mit einer größere Anzahl von Menschen vor das Gebäude der Polizeidirektion. Davids Vater berichtete dabei von verschiedenen Details der Ermordung seines Sohnes, mitunter auch davon dass David durch einen Hintereingang in die Räumlichkeiten der Polizeidirektion gebracht, und dort schlußendlich auch getötet wurde. Er führte die Namen der Polizeibeamten an, welche an Davids Mißhandlung
partizipierten, und stellte die Frage, in welchem Zustand sich Davids Kiefer befunden habe, als man der leblose Körper am Flußufer fand. Die Aktion Dauerte über 18 Stunden und verlief ohne Vorfälle. Anschließend kehrten die Menschen zum „Trg Krajine“ zurück, wo sie bis zum 15 Oktober ohne unterbrechung durchgehend blieben. Davor Dragicevic und ander Mitglierder der Gruppe schliefen unter freiem Himmel und wurden
zumeist von BürgerInnen von Banjaluka mit Essen und Trinken versorgt. In diesen Tagen war eine besondere Solidarität zu beobachten. Es wurde ein Zelt gebracht, das die Anwesenden vor Sonne, Regen und Wind schützte, sowie ein Bett für Davor Dragicevic und Heizgerät wegen der nächtlichen Kälte. Die Menschen brachten regelmäßig Essen, Warme Kleidung und Schlafsäcke vorbei. Während der kalten Nächte wurde oft heißer Tee gebracht oder frische Hühnersuppe. Die besorgten Lokalbesitzer aus der unmittelbaren Nähe spendeten elektrischen Strom, und stellten ihre Räumlichkeiten zur Verfügung sollte die nächtliche Kälte nicht auszuhalten sein. Die täglichen Kundgebungen wurden auch in dieser Zeit weiterhin um 18 Uhr abgehalten, was für die Regierung offensichtlich störend war. Einige Tage später richtete Präsident Dodik in aller Öffentlichkeit eine Drohung an Davor Dragicevic. „Was will er machen? Er hat ein Bett ins Stadtzentrum gebracht und glaubt ein toller Kerl zu sein. Am 8. Oktober wird er nicht mehr dort sein“, sagte Dodik und drohte nach den Parlamentswahlen den Versammlungsort zu „säubern“. Diese Säuberung geschah tatsächlich, jedoch erst am ende Dezember.


21. September 2018 – Alen Kukic manipulierte die Aufnahmen der Videoüberwachung
Im Haus von Djordje Radjen, das David angeblich vor seinem Tod ausraubt hatte, wurden keine DNA-Spuren von David gefunden. Den Verdacht, dass David in dieses Haus eingebrochen war, begründete die Polizei anhand der Aufnahmen der Videoüberwachung. Wegen Manipulation derselben Aufnahmen wurde Alen Kukic verhaftet, der bei dieser Gelegenheit zugegeben hat, Telie der Aufnahmen durch Löschen und Montieren manipuliert zu haben. Er gab ebenfalls an, nach Anleitung durch Hausbesitzer. Der Befehl an Radjen, die entsprechenden Videoaufnahmen zu besorgen und als Beweismittel der Polizei vorzulegen, stammte von Inspektoren aus der Polizei. Dadurch haben im Laufe der Ermittlungen nicht etwa die Polizeibeamten das Beweismaterial sichergestellt, sondern
Privatpersonen, welche offiziell gar keine Ermächtigung dafür besitzen.


05. Oktober 2018 – Die dritte Großkundgebung


Zwei Tage vor den Parlamentswahlen in Bosnien und Herzegowina, am 5. Oktober, versammelten sich 40.000 Menschen im Zentrum von Banjaluka, um ruhig und würdevoll die Gerechtigkeit für David einzufordern. Die Institutionen und der öffentliche Fernsehsender RTRS hatten versucht die Kundgebung zu verhindern, so wurden beispielsweise die Zubringerstraßen nach Banjaluka von der Polizei gesperrt. In den sozialen Netzwerken tauchten Filmaufnahmen auf, wie die Polizei Autobusse an der Weiterfahrt hinderte, und wie Menschen ihre Reise nach Banjaluka zu Fuß
fortsetzten, trotz einer Entfernung von teilweise über 80 Kilometer. „Ich flehte, bat sie und verlangte von ihnen die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Doch hierzulande gibt es kein Innenministerium, keine Institutionen und auch keinen Staat. Alles hat mal ein Ende, die Ruhe, die Würde, die Kraft und die Liebe. Wir sind Menschen und sie sind Mörder. Mit Mördern gibt es weder Koexistenz noch nachbarschaftliche Beziehung. Die Gruppe „Gerechtigkeit für David“ ist in ihrer Beschaffenheit weder. Im Laufe des Abends bestätigte er erneut, die ganze Wahrheit über den Mord an seinem Sohn zu wissen. „Ich kenne die Wahrheit! Die Spitzenbeamten des Innenministeriums hatten noch vor dem 17. März die Entführung und den Mord an meinem Sohn geplant. Die Sondereinheit der Polizei, vier Dacia
Duster, Räumlichkeiten des Innenministeriums, und abschließend das Aussetzen des leblosen Körpers am Flußufer. Ich würde gerne weinen, aber ich kann nicht. Heute weinte ich, nur an seinem Grab kann ich weinen. Mörder, wisst ihr wie das ist dem eigenen Kind von 21 Jahren zum Grab zu
gehen? Was soll ich ihm sagen, was soll ich ihm geben? Sieben Monate lang hat niemand ein Leben. Wegen wem? Wegen was? Das gesamte Innenministerium habt ihr in eine verbrecherische Organisation verwandelt. Zeit habt ihr schon mehr als genug gehabt. Sieben Monate lang werde ich von einer Dacia verfolgt. Sieben Monate lang sehe ich das Auto, welches mir das Kind getötet hat. Es ist genug!“, betonte er.
Davids Mutter Suzana Radanovic erinnerte daran, dass dieser Kampf nicht nur für David ausgetragen werde, sonder für alle Kinder, damit sich so eine Tragödie niemals wiederholen möge. „Wir wissen dass unser Kind keine Schuld trägt, dass es auf qualvolle Weise getötet wurde und dass die Wahrheit auf unserer Seite ist. Mit eurer Hilfe werden wir die Gerechtigkeit erreichen können. Ihr wisst alles, wir sind auf monströse Weise ohne Kind geblieben. Als Mutter kann ich euch nur eins ausrichten, Gott bewahre dass jemandem erneut dasselbe geschied! Das ist euer Kampf, seit 18. März kämpft ihr für euch, und für euer Kinder!“, betonte sie.

09. November 2018 – Die Auflösung des internationalen Teams der Rechtsanwälte
Dusko Tomic, der führende Rechtsanwalt aus dem internationalen Team, sagte dass das Team aufgrund von verschiedenen Standpunkten der einzelnen Mitglieder aufgelöst werde. Kurze Zeit später, behauptete Rechtsanwalt Anto Nobilo, es stimme nicht dass David gefoltert und vergewaltigt wurde. Und dass Davor durch die Politik mißbraucht werde. Anwältin Zora Dobricanin- Nikodinovic betonte nach ihrem Rückzug: „Alle Anwälte vom Team arbeiten hoch professionell, doch sie sind auch Alleingänger!“, als ihren Kommentar zur Ursache von Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Teams. Sie teilte ebenfalls öffentlich mit, dass der Fall unter der Parole geführt wurde: „gebt mir die Beweise und ich gebe euch die Gerechtigkeit!“. Und die Weigerung von Zelimir Lepir, dass sein Vertreter Dalibor Vreco ausgetauscht wird, habe sie
daran gehindert ihre Arbeit professionell zu gestalten. Davor gab bei dieser Gelegenheit bekannt, dass ihm der Grund völlig klar sei, warum das
internationale Team der Rechtsanwälte gegründet wurde und warum es sich nun aufgelöst habe. „Das Team wurde gegründet, nachdem Dusko Tomic, Anto Nobilo und Zora Dobricanin- Nikodinovic auf mich zugekommen sind, und vorgeschlagen haben mich zu vertreten. Meine
einzige Bedingung war die Mitarbeit von Ifet Feraget, der Mein absolutes Vertrauen besitzt. Zunächst wollten die Anderen das nicht, doch als sie sahen dass ich darauf beharre, akzeptierten sie schließlich. Mir war wichtig dass er anwesend ist und alle rechtlichen Arbeitsschritte verfolgen kann. Ich wußte bereits früher, wer und warum das Team formieren wollte, doch jetzt möchte ich mich dazu nicht äußern, wenn aber alles vorbei ist und der Gerechtigkeit Genüge getan wurde so wie es sich gehört, werde ich auch darüber erzählen. Dies wird ein qualvoller und langer Weg, doch die Gerechtigkeit wird kommen so wie sich das gehört, und nicht so wie das Dusko Tomic und Anto Nobilo gerne gehabt hätten! Zora Dobricanin-Nikodinovic ist nicht Teil dieser Aktion. Mein Sohn wurde vor sieben Monaten getötet, und ich sagte dass ich einen zweiten Mord an ihm niemals
erlauben werde. Dieser erneute Mordversuchist seit ist Freitag beendet, durch den Weggang der Rechtsanwälte. Ich habe Vertrauen, dass wir nun in die richtige Richtug gehen. Ifet Feraget bleibt bei mir und sonst brauche ich niemanden. Frau Zora Nikodinovic sagte mir, dass wir uns bei Bedarf
jederzeit an sie wenden können“, sagte Davor gegenüber Interview.ba.


21. November 2018 – Die vierte Großkundgebung


„Sechs Tage, sechs Nächte… Wo seid ihr vom Innenministerium? Blaue Uniformen? Wo seid ihr Staatsanwälte? Wo seid ihr, die in den Institutionen sitzt? Am fünften April, Mutter Suzana bügelt den Maturaanzug, ich packe meine Seele in einen Sarg, ins Grab“, sagte Davor Dragicevic auf der vierten großen Kundgebung, zur sechstägigen Suche nach David und zu seiner Beerdigung. Am selben Abend versammelten sich Menschen aus mehrerene Städten Bosnien und Herzegowinas, und zeigten damit dass sie weiterhin gemeinsam nach Wahrheit und Gerechtigkeit zu suchen beabsichtigen.


06. Dezember 2018 – Anzeigen gegen das Innenministerium
Rechtsanwalt Ifet Feraget brachte bei der Staatsanwaltschaft der Republika Srpska eine Anzeige wegen fehlender Durchführung der Ermittlungen gegen den Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität und Schwerverbrechen, Darko Ilic, sowie wegen Aufhalten der Ermittlungen, gegen den Facharzt für Pathologie Zeljko Karan. „Es wird eine unlogische und unprofessionelle Analyse der Beweismittel durchgeführt, und zwar
bewußt und absichtlich. Wenn Beweise existieren dass jemand zu einer gewissen Zeit nicht an einem bestimmten Ort anwesend war, und dieser Umstand trotzdem.

25. Dezember 2018 – Polizeigewalt gegen die Gruppe „Gerechtigkeit für David“


Morgens am 25. Dezember, wenn die meisten Menschen in der Arbeit sind und die internationalen Organisationen Urlaub haben, rückte das Innenministerium mit einer Polizeisondereinheit zum „Trg Krajine“ hinaus. Kurz davor wurden Davor Dragicevic, Suzana Radanovic, Sofija Grmusa, Ozren Perduv und weitere herausragende Mitglieder der Gruppe in die Polizeistation gebracht. Der Grund Gefährdung der Sicherheit. Davor Dragicevic wurde beim Neuen Friedhof von der Polizei abgefangen, doch er entwischte ihnen mit dem Auto bis zum „Trg Krajine“, um Zeugen für seine Festnahme zu haben. Nachdem auch die andere Gruppenmitglieder festgenommen wurden, sperrte die Polizei den Bereich des Versammlungsorts samt Davids Herz – einem einzigartigen und dem Kampf für Gerechtigkeit und Wahrheit gewidmeten Schrein. Spontan versammelten sich die Menschen, teils aus Protest, aber auch aus Neugierde, sodaß sich letztendlich eine hohe Zahl von PensionistInnen und Kindern vor Ort befanden. Zwischen ihnen und Davids Herz stand die Sondereinheit bewaffneter Polizisten, ebenfalls ausgerüstet mit Schlagstöcken, kugelsicheren Westen, sowie Helmen und vermummten Gesichtern, sodass nur die Augen von außen sichtbar waren. Auf friedliche Weise äußerten die versammelten Menschen an die Polizeibeamten nur eine Bitte, nämlich die Symbole der Gruppe „Gerechtigkeit für David“ an ihrer Stelle zu lassen. Allerdings begann die Polizei die Menschen wegzudrängen, mittels Shlagen mit Schlagstöcken und durch das Schieben mit ihren Schildern. Die anwesenden Medien konnten die Polizeigewalt an der eigenen Bevölkerung aufnehmen, sodass die blutigen Bilder um die Welt gingen. Die Mißhandlung polizeilich abgeführter Menschen wurde in den entsprechenden Dienststellen fortgesetzt. Nach einigen Stunden waren die Menschen vom Versammlungsort zurückgedrängt. Am Abend spazierten sie durch die Stadt, angeführt von Suzana Radanovic. Am kommenden Tag entließ man Davor Dragicevic und andere Gruppenmitglieder aus der Inhaftierung. Anstelle der täglichen Versammlungen, wurden nun Spaziergänge entlang angeblich letzter Bewegungsroute von David organisiert. Unzufrieden mit der Behandlung durch die Polizei, schlossen sich tausende EinwohnerInnen von Banjaluka den Spaziergängen an. Während dierser Zeit bewachten starke Polizeikräfte den leeren Versammlungsort am „Trg Krajine“ und verhinderten jedes Betreten durch die Gruppenmitglieder. In Banjaluka herrschte inoffiziell die Ausgangssperre.


30. Dezember 2018 – Die fünfte Großkundgebung, die Unruhen und das Verschwinden von
Davor Dragicevic Am 30. Dezember um 18 Uhr ereignete sich die fünfte Großkundgebung. Die Organisation wurde diesmal nicht von der Gruppe „Gerechtigkeit für David“ durchgeführt, sondern von einer Gruppe von BürgerInnen, welche Davids Familie unterstützte. Nach der Kundgebung, angeführt von Davor Dragicevic, gingen tausende Menschen spazieren durch die Straßen ihrer Stadt. Dabei machten sie Halt vor dem Parlament, vor dem Gebäude des öffentlichen Fernsehsenders RTRS, sowie vor dem Wohngebäude des Pathologen Zeljko Karan. Für den selben Abend war im Rahmen der städtischen Silvesterfeierlichkeiten ein Konzert von Haris Dzinovic angekündigt, das die Stadtverwaltung trotz der miserablen Lage in Banjaluka nicht absagen wollte. Einige Gruppenmitglieder betraten noch vor Konzertbeginn den leeren Zuschauerbereich am Konzertgelände, und forderten die Absage des Auftritts. Abgesagt wurden schließlich auch die Konzerte von Zeljko Joksimovic und Zeljko Samardzic, welche für die Folgetage geplant waren. Am 30. Dezember verließen die Menschen den Konzertbereich und gingen nach Hause. Beim Passieren des Versammlungsortes „Trg Krajine“, der von starken Polizeikräften bewacht wurde, startete eine wahrhaftige Menschenjagd! Die Polizisten jagten den Menschen nach, schlugen sie mit Schlagstöcken und inhaftierten sie. Erneut wurden Medien und soziale Netzwerke mit Szenen der Gewalt überfüllt, wie beispielsweise mit jener, als zunächst zwei Zivilpolizisten einen am Boden liegenden jungen Mann mit Füßen traten, und anschließend den anwesenden Kameramann angriffen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die verfolgten Menschen noch nicht, dass sie bald von der Stadtverwaltung beschuldigt werden würden, am Konzertgelände ein Gerät zerstört zu haben. Der Künstler Haris Dzinovic sagte selbst einige Tage später, dass das Konzert bereits im Vorraus abgesagt war, und dass er nur deshalb nach
Banjaluka angereist war um seine vertragliche Pflicht zu erfüllen. An diesem Abend wurde Davor Dragicevic zum letzten mal in den Straßen von Banjaluka gesehen. Bald wird sich herausstellen, dass er flüchten mußte weil sein Leben in Gefahr war. Erneut inhaftierte man verschiedene Gruppenmitglieder, einschließlich mancher, die an den Geschehnissen des 30. Dezember gar nicht teilgenommen hatten. Nach den Ereignissen des 30.12. thematisierte man in der Öffentlichkeit kaum noch den Mord an David Dragicevic, hingegen war viel Rede von kaputten Geräten und Kabeln, vom Schaden am Tourismus und dem Ausbleiben der übrigen Konzerte. Letztendlich wurden die Gruppenmitglieder Und dennoch fanden die täglichen Versammlungen eine Fortsetzung, nun im Kirchenhof „Hram
Hrista Spasitelja“, als dem neuen Versammlungsort.


Die Vervolgung der Gruppe


Am 26. Dezember 2018 sagte der Innenminister Dragan Lukac, dass die Protestspaziergänge nicht verboten seien, und dass: „alle in Banjaluka spazieren und ihren Unmut äußern durfen, dabei jedoch niemanden beleidigend und auf schlimmste Weise bedrohen dürfen“. Vier Tage später passierten die erwähnten Unruhen, und die Polizeidirektion von Banjaluka verkündete, dass alle weiteren Versammlungen der Gruppe „Gerechtigkeit für David“ verboten werden. Die Begründung dafür lautete, dass die Organisatoren „sich nicht an die geltenden Gesetze gehalten haben. Die Kundgebung am „Trg Krajine“ setzte sich fort als eine, in Bewegung befindliche Kundgebung, und diese war so nicht angemeldet“. Und die Ausrede für die Menschenjagd vom 30. Dezember, war das laute Ausrufen von Parolen nach 22 Uhr, was als Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung gewertet wurde. Bis zum heutigen Tage wird von der Polizei wie gerade beschrieben vorgegangen. Einige dokumentierte Fälle sind Inhaftierung oder Bedrohung der Menschen, die sich am „Trg Krajine“ mit
erhobener Faust fotografieren, oder „Gerechtigkeit für David“ sagen, oder gar nur einen Zettel in der Hand halten, auf dem „Gerechtigkeit für David“ geschrieben steht.



23. Jänner 2019 – Der erste Gerichtsprozess für die Kriminaltechniker
Wegen dem Verdacht, dass sie am 25. März, nach der Obduktion, Davids Boxershorts unerlaubt weggeworfen hatten, drohen nun Mikica Marjanac und Zoran Bosnjak bis zu drei Jahren Haft. Beide kriminaltechniker plädierten als nicht schuldig und sehen die Verantwortung beim Insprktor
Sinisa Kojdic.

27. Februar 2019 – Der Verfassungsgeichtshof stellt fest dass die Staatsanwaltschaft „herumirrt“
Die Bezirksstaatsanwaltschaft Banjaluka würde herumirren, wenn es um die Mordermittlungen im Fall David Dragicevic geht, teilte der Verfassungsgerichtshof mit. Dieselbe Institution stellte ebenfalls fest, dass die Staatsanwaltschaft keine Beweise vorgelegen konnte, dass sich David
Dragicevic am 18. März 2018 im Haus von Djordje Radjen befand. Und dass es deshalb keine Grundlage für die zweimonatige Inhaftierung von Alen Kukic gab, der die Videoaufnahmen. Die Staatsanwaltschaft vernachlässige, dass die Anweisungen fürs Handeln von Kukic von einem
Polizeiinspektor und Djordje Radjen abstammen, wurde ebenfalls festgehalten!


12. März 2019 – Exhumierung von Davids Leiche


Auf Initiative von Davids Eltern wurde die Leiche exhumiert, unter Anwesenheit von ungeführ hundert Menschen, die die Familie dabei unterstützten. Zwei Tage später verließen Davids
sterblichen Überreste Banjaluka.

15. März 2018 – Die zweite Beerdigung von David Dragicevic und die Berufung beim Verfassungsgerichtshof
Die zweite Beerdigung wurde von mehreren tausend Menschen besucht, sie ereignete sich am Stadtfriedhof in Wiener Neustadt, unweit von Wien. „Mein lieber Sohn, ich hoffe nun dass du deine Ruhe finden wirst und dass ich zu dir kommen kann. Ich danke allen Menschen die gekommen sind, viele waren auch bei der ersten Beerdigung. Mein Kind wurde durch die Institutionen getötet. Alles wurde gesagt, doch nichts getan. Die Gruppe
„Gerechtigkeit für David“ existiert, und das wird für immer so bleiben. Es gibt kein Vergeben und kein Vergessen“, sagte Davor Dragicevic neben dem neuen Grab seines Sohnes. Zur Beerdigung kamen auch mehr als hundert Menschen aus Bosnien und Herzegowina, darunter auch Muriz Memic, Vater des getöteten Dzenan Memic. Am gleichen Tag legte Rechtsanwalt Ifet Feraget beim Verfassungsgerichtshof Berufung ein, „wegen Verletzung des Rechts auf Leben, beziehungsweise wegen der Nichtdurchführung wirksamer Ermittlungen, in Anbetracht dessen, dass die bisherigen Ermittlungen offensichtlich dazu mißbraucht werden den schweren Tötungsdelikt an David Dragicevic zu verstuschen. Wegen unmenschlicher Behandlung des Geschädigten, wegen Verletzung des Rechts auf faire Gerichtsverhandlung und wegen Verletzung des Diskriminierungsverbots.“ Dieselbe Berufung führte ebenfalls zur Anfechtung der Entscheidungen der Landesstaatsanwaltschaft über die Nichtdurchführung der Ermittlungen gegen Zeljko Karan, Darko Ilic, Dubravko Kremenovic, sowie gegen weitere Angestellten des Innenministeriums, welche mit dem Tötungsdelikt oder mit Behinderung der Ermittlungsarbeit in Verbindung gebracht werden.


Die Registrierung des Vereins „Gerechtigkeit für David“
Die Menschen rund um die Gruppe „Gerechtigkeit für David“ beschlossen durch die Gründung des Vereins „Pokret Pravda za Davida“, ihren Kampf auf eine höhere Ebene anzuheben. Ihre Idee ist der Auftakt eines gemeinsamen Kampfes, unter Verwendung aller zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln. Dabei soll gegen Mißbrauch der Institutionen gekämpft werden, und bei der Gestaltung von Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften mitgewirkt werden.Der zentrale Aspekt, der die Menschen an ihr en Forderungen weiterhin festhalten läßt, ist die enorme Unsicherheit und die Sorge um ihre eigenen Kinder, die durch das widersprüchliche
Handeln der Institutionen generiert werden. Das Mitwirken am Mord und an seiner Vertuschung durch dieselben Institutionen, welche eigentlich die Sicherheit der Menschen garantieren sollten, bilden das Hauptmotiv für die.


07. Juni 2018 Verbot der Versammlungen im Hof der Kirche „Tempel Christi des Erlösers“

Am Freitag, dem 7.Juni 2019, besuchten zwei Polizisten die Menschen im Hof der Kirche „Tempel Christi des Erlösers“ und informierten sie, dass ab dem kommenden Tag an Ort und Stelle ein Versammlungsverbot in Kraft treten wird. Als Begründung dafür nannte man ein Begehren an die Polizeier, in welchem die Serbisch Orthodoxen Kirche ein störungsfreies Abwickeln ihrer täglichen Aktivitäten fordert. Am selben Abend besuchte Gruppenmitglied Ozren Perduv die Polizeistation, wo ihm das Schreiben der Kirche gezeigt wurde. Niemand von den Beteiligten hat eine schriftliche
Verständigung bekommen.

08. Juni. 2019 Mehrere Polizisten bewachen den Hof der Kirche während der Versammlungszeit und verbieten sein Betreten.

Sie legitimieren die Menschen und verlangen von ihnen dass sie sich entfernen. Ab diesem Abend werden die Versammlungen im Bereich der Fußgängerzone neben der Kirche fortgesetzt. Jeden Abend versuchen die Menschen vergeblich eine Kerze für David anzuzünden. Die
Medien haben aufgezeichnet wie die Polizei alle Menschen zur Kirche passieren lässt, außer die Angehörigen unserer Gruppe.

5. Juni 2019- Erfolgreiche offizielle Registrierung des Vereins „Gerechtigkeit für David und alle Kinder von Bosnien und Herzegowina“ in Wien, wodurch die informelle Gruppe ihren rechtlichen Rahmen
bekommt und ihren Kampf auf eine höhere Ebene anhebt. Alle Menschen, welche sich ähnlichen moralischen Werten verpflichtet fühlen, können dem Verein beitreten, ungeachtet ihrer Herkunft
oder Wohnort.